Meine Mentale Pause

Viele von euch haben am Wochenende meinen Insta-Post zur Pause geliked und kommentiert, und daher dachte ich mir, ich schreibe einen Beitrag zu dem Thema. Ganz wichtig ist mir, gleich am Anfang dazuzusagen: das ist ein persönlicher Erfahrungsbericht davon, was für mich funktioniert hat. Meine Coaching-Tätigkeit erstreckt sich ausschließlich aufs berufliche Umfeld; ich bin kein Therapeut oder Lebens- und Sozialberater. Auch ich hole mir professionelle Hilfe, wenn ich alleine nicht mehr weiterkomme, und das kann ich jedem von euch nur ans Herz legen, wenn ihr das Gefühl habt, festzustecken.
Weiters bin ich mir bewusst, dass viele der Dinge nur so funktionieren wie sie es tun, weil ich alleine lebe und keine Kinder habe, um die ich mich kümmern muss. Weil ich in einer Großstadt lebe, wo Lieferdienste eine Alternative zum Einkaufen sind. Ich hoffe trotzdem, dass ich euch allen Mut machen kann, Dinge zu finden die ihr weglassen könnt, um mehr Energie für euch zu haben.

Mitte Februar habe ich bemerkt, dass ich einfach nur erschöpft bin. Man denkt sich, “Erschöpft wovon, ich mache ja gar nichts?” – aber man darf den mentalen Stress nicht vergessen, dem viele von uns im letzten Jahr ausgesetzt waren und sind. Jobsorgen, finanzielle Sorgen, Zukunftsängste. Die soziale Interaktion mit unserem Umfeld hat sich komplett verändert, wir sind weniger draußen, der Lagerkoller setzt ein.

  • Ich habe bemerkt, dass ich absolut keine mentale Kapazität mehr habe für zusätzliche (selbst auferlegte) Einschränkungen. Das heißt, dass meine Ernährung im letzten Monat nur mehr einem Zweck dient: der Zuführung von Energie in meinen Körper. Kochen war anstrengend, oft habe ich etwas bestellt oder Fertiggerichte gegessen. Von Low-Carb war keine Rede mehr, ich war schon stolz wenn ich mir einen Teller Nudeln gemacht habe, anstatt einfach nur eine Packung Chips zu essen. Und ganz ehrlich: für einen gewissen Zeitraum ist das in Ordnung. Wir müssen uns nicht noch schlechter fühlen, weil wir es uns hier leichter machen, damit wir unsere Energie fürs Atmen, Aufstehen, Leben haben. Worauf habe ich dennoch in Punkto Ernährung geachtet, auch als es mir gar nicht gut ging?
    – Ich habe meine Intervall-Fasten-Zeiten eingehalten. Ich habe mir zwar erlaubt, tagsüber in meinen “Essenszeiten” ungesund zu essen, aber habe dann auch wirklich pünktlich aufgehört.
    – Ich weiß aus diversen Untersuchungen und Blutbildern, dass ich einen niedrigen Vitamin D sowie Eisenspiegel habe. Daher habe ich hier ergänzt.
  • Ein Risiko, auf das wir in unserer Yogalehrer-Ausbildung hingewiesen wurde, ist dass man kein Yoga für sich selbst mehr macht, weil es zum Beruf wird und die Zeit weniger wird. Bei mir war es weniger das Zeitproblem (eine Zoom-Liveklasse in der Woche und ein zweiter Tag, in dem ich im Studio meine Videos drehe sind jetzt nicht so dramatisch viel) aber die Motivation und Energie. Ich habe es mir in den letzten Wochen – außerhalb der Stunden – gegönnt, mich nur dann zu bewegen, wenn ich es wirklich will. Das hat dazu geführt, dass ich viel Zeit auf der Couch (oder sogar im Bett) verbracht habe – und ich spüre es. Ich habe wieder die Erinnerung erhalten, wieso ich Yoga so liebe, weil ich ohne Rückenschmerzen habe. Verspannt bin. Unausgeglichen. Und jetzt komme ich so langsam wieder an den Punkt, dass ich mich freue, mich zu bewegen, und neue Dinge ausprobieren möchte. Ohne mich zu zwingen oder unter Druck zu setzen. Schön, oder?
  • Ich habe meinen engen Freunden und Familie gesagt, dass ich momentan wenig Energie und Motivation habe, und dass sie es nicht persönlich nehmen sollen, wenn ich mich nicht melde. Ich weiß, dass ich einen großartigen engen Kreis habe, mit denen es kein Problem ist, auch mal ein paar Wochen nicht zu telefonieren, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen oder ohne dass es dann irgendwie eigenartig ist. Und bei denen es okay ist, wenn ich mal nicht abheben möchte, wenn sie anrufen. Die mich trotzdem nicht links liegen lassen. Die sich dann ein paar Tage später wieder melden, und mir nichts vorwerfen. Die nicht mit den Worten “Du musst aufstehen und rausgehen und etwas tun” um sich werfen. Jeder von uns hat seine eigenen Herausforderungen und Schwierigkeiten, seine eigene Art und Weise, damit umzugehen, und wir reden drüber, was einem hilft – ohne den Anspruch, dass es die einzige Wahrheit ist. Aber immer mit Verständnis für die Situation des anderen.

Das sind mal die drei wichtigsten Dinge für mich persönlich in der aktuellen Situation. Stay tuned für Teil 2!