Meine Ruhe-Inseln

Ich habe festgestellt, dass bei der Arbeit im Homeoffice die Grenzen zwischen Beruf- und Privatleben stark verschwimmen, wenn man sich nicht sehr gut abgrenzt. Weiters habe ich für mich bemerkt, dass ich wahrscheinlich daheim intensiver arbeite, weil ich nicht durch Kollegen abgelenkt werde. Wir waren im Großraumbüro, und irgendwie habe ich immer zumindest mit einem halben Ohr zugehört, was da sonst so passiert, falls irgend jemand mein Wissen benötigt – ich hatte den Spitznamen der “Allwissenden Müllhalde”. Meetings waren oftmals weniger produktiv durch Smalltalk, der bei Telefonkonferenzen kürzer gehalten wird. Die klassische Kaffeepause, bei der man zwar eh auch immer über die Arbeit gesprochen hat und neue Impulse bekommt, fällt weg. Mir ist es im Homeoffice schon mehrfach passiert, dass ich um drei Uhr nachmittags erst zur Mittagspause komme, weil ich davor so im Flow bin oder einfach so viele calls sind.

Umso wichtiger ist es mir daher, wenn ich dann für den Tag aufhöre, dass ich auch wirklich aufhöre und “abschalte”. Der Laptop wird abgedreht, damit ich nicht Gefahr laufe, “aus Versehen” eine mail zu lesen und dann “schnell” was zu antworten – diese Zeit summiert sich. Ich kann also ein bewusstes Morgen- sowie Feierabend-Ritual empfehlen, um die Arbeitszeit von der Freizeit zu unterscheiden.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, wenn man selbstständig ist, so wie ich auch zusätzlich mit meinem Yogabusiness. Ich stemple keine Stunden, werde nicht nach Stunden bezahlt, und es können Stunden an Arbeit in etwas fließen, ohne dass auch nur ein einziger Euro dafür fließt. Wenn die Tätigkeit dann auch noch ein bisschen Kreativität oder Konzeption erfordert, ist es auch tricky – wenn mir abends vor dem Einschlafen auf einmal ein Riesen-Einfall kommt, kümmere ich mich gleich darum oder mache ich die Augen zu?

Hier hilft mir persönlich eine gute Notiz-App fürs Handy. Der gute alte Notizblock am Nachttisch tut es natürlich auch – Hauptsache du hast etwas schnell zur Hand, um dir die Stichworte zu deiner Idee aufzuschreiben. Dann brauchst du keine Angst zu haben, dass du es vergisst, kannst guten Gewissens schlafen gehen, und am nächsten Tag kannst du dich dann darum kümmern. Aber ja, ich gebe zu, dass ich auch schon um halb zwölf den Laptop ins Bett geholt habe, um ein paar Stunden zu recherchieren und zu testen – der nächste Tag war dann allerdings wegen Schlafmangels entsprechend anstrengend.

Momentan habe ich auch überhaupt keine geistige Kapazität, mir um Ernährung Gedanken zu machen, geschweige denn einzukaufen und zu kochen. Und ja, ich bestelle bei Lieferdiensten, oder wenn ich etwas Geld sparen will, dann kaufe ich Tiefkühlgerichte und fertige Sachen, die nur mehr erwärmt werden müssen. Das ist absolut in Ordnung! Mit der Doppel- und Dreifachbelastung zur Zeit (und ich als Single ohne Kinder kann noch leicht reden, aber ja, auch für mich ist es mittlerweile vor allem mental sehr anstrengend!) dürfen wir uns jede Unterstützung holen und Dinge nutzen, die es uns einfacher machen. Vorgekochtes Essen ist definitiv eines davon.

Ich lasse mir auch ganz bewusst immer einen Tag des Wochenendes für mich, um mich zu erholen. Ohne Verpflichtungen, und auch ohne Haushalt oder Putzen. Wenn mir im Vorbeigehen auffällt, dass ich doch mal Wäsche waschen könnte weil der Berg schon so hoch ist, dann mach ich das – aber nicht weil ich es eingeplant habe. Wenn ich keine Lust darauf habe, dann bleibt die Wäsche liegen. Ich habe festgestellt, dass ich ohne den Druck, genau an diesem und jenen Tag zu putzen/waschen/whatever eigentlich viel mehr in kleinen Etappen nebenher mache und gar nicht so viel auf einmal anfällt. Das habe ich aber auch erst lernen müssen.

Und wenn ich mich dann mit Freunden treffe und wir irgendwo draußen Wandern sind, dann versuche ich die Zeit auch ganz bewusst zu genießen. Nicht zu vergleichen mit dem, was man alles nicht mehr machen kann. Nicht in der Vergangenheit zu leben, aber auch nicht zu sehr die Zukunft herbeizusehnen, wo es wieder mehr Normalität gibt. Sondern ganz bewusst im Hier und Jetzt zu sein.