Erkennen, bevor es zu spät ist

Heute möchte ich ein wenig über mentale Gesundheit schreiben. Achtsamkeit wird ja gerade ganz groß geschrieben, und ich versuche ja auch dazu hilfreiche Tipps weiterzugeben. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance ist auch so ein Buzzword, das gerade überall herumschwirrt, aber was bedeutet das eigentlich? Für jeden Menschen etwas anderes, und das macht es so schwer, für sich selbst zu erkennen, wo die Grenzen sind und wo man schon echt aufpassen muss, um nicht in ein Burnout abzurutschen.

Ich kann nur aus meiner eigenen Perspektive und Erfahrung berichten, und gerade eben ist das Thema für mich wieder relevanter als jemals zuvor. Woran also bemerke ich, dass mir alles zu viel wird und ich irgendwo Grenzen setzen muss?

  • Ich werde auch im Beruflichen emotional – und damit meine ich nicht weinerlich, sondern eher das Gegenteil. Ich rege mich sehr schnell auf und gehe in die Luft, weil das eine aktive Emotion ist und keine passive, hilflose Emotion wie Traurigkeit oder Überforderung. Vor allem wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, gehe ich lieber in den Gegenangriff weil ich somit in die Aktion komme und nicht nur passiv reagieren kann.
  • Ich schlafe schlecht. Das können Einschlafprobleme sein, wo ich mich stundenlang herumwälze weil mein Gehirn nicht abschalten kann, oder dass ich mitten in der Nacht aufwache und auf einmal ein Problem aus der Arbeit in meinem Kopf herumhüpft, das mich einfach nicht mehr in Ruhe lässt. Dinge, die ich vergessen habe(n könnte). Dinge, die teilweise außerhalb meiner Beeinflussung stehen. Ich grüble trotzdem darüber nach.
  • Ich habe keine Energie mehr für Dinge, die mir eigentlich gut tun. Zum Freunde treffen muss ich mich zwingen, auch zum Yoga komme ich abseits des Unterrichts, den ich gebe, nicht mehr. Ich habe mich zum Beispiel vor 2 Monaten für ein online Training zum Thema Armbalancen und Inversions angemeldet, und habe bisher EIN Workout daraus gemacht.

Ich kenne mich natürlich jetzt auch schon ein paar Jährchen, und habe auch sehr intensive Selbsterfahrung betrieben im Rahmen meiner Coaching Ausbildung oder auch Gesprächen mit Therapeuten. Ich kenne meine Trigger und Antreiber, und mein “du musst perfekt sein um geliebt zu werden” ist da nicht hilfreich. Aber, je besser ich mich kenne, desto eher erkenne ich die Momente wo es zu viel wird, und kann etwas dagegen unternehmen. Und natürlich gehört da auch eine Menge Mut dazu, auszusprechen wenn es nicht mehr geht, und vor allem im beruflichen Umfeld auch die Kollegen und Vorgesetzten, mit denen man darüber reden kann und die hier auch Unterstützung geben. Man muss sich trauen, zuzugeben dass es jetzt nicht mehr so weiter geht, und dann auch für sich die nötigen Schlüsse ziehen. Ändern, was man ändern kann. Und wgerade in der Arbeit denkt man sich dann “Aber ich kann es nicht ändern!” – nein, alleine kannst du das ganz sicher nicht. Du benötigst Unterstützung, und die kannst du nur bekommen, wenn du danach fragst. Wenn auch danach nichts kommt, kannst (musst!) du deine eigenen Schlüsse ziehen, aber du kannst nicht erwarten, dass andere erkennen, wie es dir geht und was du brauchst, ohne ein Wort zu sagen. Nichtmal im Privatleben funktioniert das so (oder nur in seltenen Fällen wo man sich wirklich gut kennt und so etwas ERkennt) und im Berufsleben schon gar nicht.

Die drei Punkte, die ich oben aufgezählt habe, sind keineswegs eine vollständige Liste – weder für mich persönlich, noch allgemein in Bezug auf Burnout und/oder Erschöpfungsdepression. Wenn du das Gefühl hast, dass du betroffen sein könntest, dann lies vielleicht ein bisschen mehr nach, wie es sich sonst noch äußern könnte – im Internet gibt es mittlerweile sehr viel dazu, auch einige Selbsttests, wann du dich an jemanden wenden solltest. Bitte nimm deine psychische Gesundheit genauso wichtig wie deine körperliche – oder vielleicht sogar noch wichtiger. Behandle dich selbst so, wie du deine:n beste:n Freund:in behandeln würdest, gib dir die gleichen Tipps, und reg dich genauso auf wenn diese nicht umgesetzt werden. Sei dein eigener bester Freund! Denn nur aus einem vollen Krug kann man auch anderen etwas einschenken.